Mittwoch, der 6. April 2022

Was ist der erste Schritt in die Agilität, den ich alleine, und welcher, den ich mit anderen gehe?


Sie möchten oder sollen agil arbeiten? Jetzt stellen sich Ihnen noch ein paar Fragen? Sie sind nicht allein. Zum Beispiel bin ich letztens gefragt worden: 


Welches ist der erste Schritt in agile Arbeitsformen, den ich alleine, und welcher, den ich mit anderen gehe?

Zwei Tipps, die ich Ihnen dazu geben kann sind

Erstens: Für Sie persönlich

Machen Sie sich klar, dass AGILITÄT EIN TEAMSPORT ist. Soll heißen: Selbst wenn Sie noch so gut über Agilität Bescheid wissen, Sie werden mit all Ihrem Wissen und Ihren Fähigkeiten alleine nicht weit kommen. 
Deshalb bzw. trotzdem: Wenn Sie alleine einen Schritt gehen möchten, machen Sie sich schlau darüber, was Agilität ist, was sie will und was sie bedeutet.

Die beste Grundsatzlektüre, die ich dazu kenne,

ist (ich wiederhole mich, ich weiß): Der Scrum-Guide. Der erklärt Ihnen das Spiel, die Mannschaftsaufstellung und die grundsätzliche Taktiken – um im Bild des Teamsports zu bleiben.

Aus meiner Sicht reicht das. Mehr braucht es dazu (erstmal) aus meiner Sicht wirklich nicht. Für den Fall aber, dass Sie das anders sehen, Ihnen der Scrum Guide also nicht reichen sollte, lesen sie den Scrum Guide gerne noch einmal. Und dann ggf. auch andere Literatur, z.B. über Kanban (Literaturangaben weiter unten).


Dann aber sollten Sie schnellstmöglich

anfangen, mit Ihren TeamkollegInnen zu beraten, wie Sie sich GEMEINSAM agiler organisieren können. Kommen wir deshalb zu:

Zweitens: Starten Sie, indem Sie gemeinsam regelmäßig eine Retrospektive machen

Mit Ihrem Team (das beinhaltet am besten auch die Team- oder Abteilungsleitung oder sogar das Management!). Ein bis zwei Stunden. Mindestens im Takt von vierzehn Tagen, maximal vier Wochen. Immer und immer wieder. Keine Unterbrechung!

Stellen Sie sich dabei offen und ehrlich die folgenden Fragen: 
  • Was ist SEIT DER LETZTEN RÜCKSCHAU organisatorisch gut gelaufen? Was weniger?
  • Was lernen wir daraus generell? Was lernen wir daraus FÜR DIE NÄCHSTEN WOCHEN?
  • Welche machbare Maßnahme fällt uns für die nächsten Wochen ein, die uns ein bisschen besser macht?

Bei der regelmäßigen Retrospektive fällt schnell auf, wie Sie sich als Team verbessern können, was Ihnen noch fehlt und welche methodischen Hilfsmittel Ihnen aus der agilen (oder sonsteiner) Welt helfen können.

Wichtig: Wenn Ihr Team eine gewissen Reife hat – damit ist gemeint, dass die meisten schon erkannt haben, dass es wie bisher nicht weitergehen KANN -, dann sind Sie damit nicht erst auf dem Weg, agiler zu WERDEN. Dann SIND sie es schon.


Natürlich können Sie auch

MitstreiterInnen finden und dafür trommeln, in einem größeren Schritt gleich einen agilen Arbeitsrahmen wie Scrum oder Kanban einzuführen. Das hat allerdings jeweils größere Vor- und Nachteile.
Einer der Vorteile: Sie beschäftigen sich ALS TEAM relativ schnell und intensiv mit der methodischen Umsetzung der Agilität. Das kann Ihnen  u.U. helfen, die Handgriffe schnell zu lernen und schnell auf agil umzusteigen. Dann nämlich, wenn die meisten von Ihnen das als sinnvollen Schritt sehen.

Der Nachteil: Sie haben mit allem Positiven und Negativen zu rechnen, was Sie aus anderen Veränderungsinititativen kennen. Und das sind eben oft nicht nur Jubelschreie, sondern meist auch die (im Grunde vernünftige) generelle Frage: „Was soll denn das jetzt? Haben wir nicht Wichtigeres zu tun?“


Selbst wenn Ihre Antwort generell „Nein“ heißt

bzw. gerade dann wird die anschließende Diskussion Ihr Ziel verzögern, mittels Agilität schnell Probleme zu lösen.
Warum nicht also einfach damit anfangen – ohne viel Gedöns und am besten so, dass alle davon profitieren? Sollte das nicht klappen, können Sie ja immer noch die größere Change-Initiative ausrufen. 

Literatur

  • Anderson, David J.; Reinertsen, Donald G: Kanban. Successful Evolutionary Change for Your Technology Business.
  • Appelo, Jurgen: How to Change the World.
  • Laloux, Frederic: Reinventing Organizations. A Guide to Creating Organizations. Inspired by the Next Stage of Human Consciousness.
  • Rodehack, Edgar: Die acht Schritte eines Sprintübergangs.
  • Sutherland, Jeff: Scrum. The Art of Doing Twice the Work in Half the Time, New York, 2014. (Deutsch: Die Scrum-Revolution)
  • Schwaber, Ken; Sutherland, Jeff: Scrum Guide
  • Wohland, Gerhard; Wiemeyer, Matthias: Denkwerkzeuge der Höchstleister. Warum dynamikrobuste Unternehmen Marktdruck erzeugen.