Dienstag, der 11. Mai 2021

Funktioniert Agilität hierarchisch?


Sie haben den agilen Marschbefehl bekommen? Sie wollen selbst in den Kampf ziehen? Bevor es losgeht, haben Sie aber noch ein bisschen Klärungsbedarf? Sie sind nicht allein. Ich bin zum Beispiel kürzlich gefragt worden:


Wie lässt sich Agilität mit vielen Hierarchiestufen verbinden?


Das ist einfach zu beantworten: Schwer. Bis gar nicht.


Warum?

Im agilen Betriebsraum befindet sich Lean. Die Devise heißt also: “Verschwendung (‘Waste’) vermeiden!”. Gemeint ist alles, was die Wertschöpfung behindert.

Hierarchien gehören meist in diese Kategorie, weil sie – ohne Grund oder Not – den Prozess verteuern und verlangsamen. Beides steht übrigens vor allem bei Kunden und Anlegern nicht besonders hoch im Kurs.


Aber Achtung!

Wer jetzt denkt, Agilität arbeit hierachiefrei, der irrt! Agilität arbeitet sehr wohl und bewusst mit Hierarchien. Nur eben anders als im klassischen Management. Nämlich NICHT mit STATUS-Hierarchien, sondern mit ENTSCHEIDUNGShierarchien. Ansonsten gilt: Augenhöhe.

Agiler Grundkonsens ist: ALLE sind für das bestmögliche Ergebnis verantwortlich. Für einen reibungslosen Ablauf und für den Fall, dass sich das Team in manchen Fällen schwer tut zu entscheiden, und NUR DANN, ist klar wer welche Entscheidung treffen darf.

Für die Rollen in Scrum, ihre Verantwortlichkeiten und Aufgaben wird das z.B. so geregelt:

  • Der Product Owner entscheidet im Gespräch mit den Stakeholdern und dem Umsetzungsteam, WAS gemacht werden soll.
  • Die Experten wiederum, also das Umsetzungsteam, entscheiden darüber, WIE sie es angehen.
  • Management und Stakeholder dagegen entscheiden darüber, wie die übergeordnete Strategie aussieht, was die Unternehmens- oder Produkt-Vision ist und ob und wie all das finanziert wird (Rahmen setzen). Wer zahlt, schafft schließlich an, soll heißen: Wer zahlt, entscheidet über diese Dinge.

Über mehr dann aber auch wieder nicht.


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