Wieder mal ausgebootet worden? Wieder mal nicht bekommen, was Sie wollten? Wie bringen Sie Ihre Teamkollegen, Vorgesetzten, Ihre Mitmenschen dazu, gut mit Ihnen umzugehen? Wie kommen Sie an Ihr Ziel? Schon mal versucht, radikal freundlich zu sein?
Eine der wichtigsten Überzeugungen unserer Gesellschaft ist
… dass alle Menschen die gleichen Rechte haben: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Im Alltag fragt man sich allerdings oft, wo diese Werte geblieben sind: Zwänge, Hierarchien und durchgedrückte Interessen wohin man blickt. Um ein leicht verständliches bayrisches Wortspiel zu benutzen: Überall ein Ober, der den Unter sticht.
„Ich kann doch aber nicht…“
Diese weit verbreitete Sichtweise wird in Trainings oft deutlich, wenn TeilnehmerInnen Sätze wie diese sagen: „Ich kann doch einen Anruf von meinem Chef am Wochenende nicht ignorieren.“ Oder: „Ich kann doch meinem Kollegen nicht sagen, dass sein Ton unverschämt ist.“ Oder: „Ich kann meiner Chefin doch nicht sagen, dass ich nicht noch mehr Projektarbeiten übernehmen kann.“
Warum denken wir so?
Warum können wir nicht einfach unsere Anliegen äußern? Unsere Grundüberzeugung lautet doch, dass wir das Recht dazu haben. Was hindert uns also daran, geschäftliche Telefonate am Wochenende zu ignorieren oder unseren Vorgesetzten und Kollegen berechtigte Dinge zu sagen?
Für mich liegt der Grund hierfür in einer oft unbewusst (!) unterwürfigen Haltung, die von einer Missdeutung hierarchischer Gefüge und einer Schwäche in unseren sozialen Kompetenzen herrührt.
Sei revolutionär: Sei ein Freund!
Aus psychologischer und soziologischer Hinsicht ist das nachvollziehbar. Lautet nicht eines der vorherrschenden gesellschaftlichen Muster hierzulande, dass diejenigen Anerkennung bekommen, die tun, was man ihnen sagt?
Dieses Muster findet Ausdruck in der Forderung, „höflich“ zu sein. Am Hof herrschte der mit Geburtsrechten ausgestattete Herrscher (Ober) indem er seinen Vasallen (Unter) Befehle erteilte. Das Verhältnis war eben: „höflich“.

Die aufgeklärte moderne Gesellschaft
… eröffnet uns freilich einen anderen Weg, der sich in einem „freundlichen“ Umgang ausdrückt: Freunde begegnen sich respektvoll „auf Augenhöhe.“ Freunde vertrauen sich, bitten um und geben sich Hilfe, nehmen dies aber nicht über Gebühr in Anspruch. Sie nehmen den anderen wie er ist und geigen sich aber auch schon mal die Meinung, wenn es sein muss.
Kurzum: Sie behandeln sich gleichberechtigt. Wie aber kann ein in diesem Sinne freundlicher Umgang in hierarchischen Organisationen funktionieren?

Kommunikation kennt keine Hierarchien
Der Sinn von Hierarchien ist es, Entscheidungsbefugnisse festzulegen und so Prozesse zu beschleunigen: Wer ist in gewissen Fällen zu informieren, wer trägt wofür Verantwortung und vor allem: Wer entscheidet was? Auf die Frage nach dem „Wie“ hat die hierarchische Festlegung aus systemischer Sicht keinerlei Einfluss.
Hierarchien sind insofern wie Support-Telefonnummern: Hier ist klar, welchen Anschluss Sie in gewissen Fällen anrufen und was der Ansprechpartner dort für Sie tun kann (und darf – unter Umständen müssen Sie bei einer Eskalation den Vorgesetzten bemühen.)
Die Telefonleitung selbst, also die Art der Kommunikation, verbindet Sie lediglich als neutrales Medium. Und das können Sie und Ihre GesprächpartnerInnen gleichermaßen nutzen.
Ob das in ruhigem oder aggressivem Ton
… ob respektvoll oder unfreundlich geschieht, entscheidet jeder Gesprächspartner selbst. Unabhängig von der Sache, den Entscheidungsbefugnissen oder dem Status sind beide sprachlich (und sozial) gleichberechtigt.
Natürlich erleben wir trotzdem zuhauf, dass sich einer versucht über den anderen zu stellen. Um Ziele durchzusetzen, sind Menschen eben bereit, Regeln erfinderisch zu verletzen: Mal umschmeicheln sie, mal schüchtern sie ein.
Wohlgemerkt:
Bei all dem geht es nicht um die Frage, ob ein Anliegen berücksichtigt wird, sondern nur, ob Sie es generell äußern dürfen. Die Antwort ist: Ja klar!
Am besten machen Sie es mit einer freundlichen Haltung. Denn das steigert Ihre Chancen, dass Sie Ihr Anliegen durchsetzen können.

Der Ton macht die Musik? Manchmal.
Ein Garant ist es aber leider nicht. Ausschlaggebend für Ihren Erfolg ist vielmehr, in welcher grundsätzlichen Konstellation Sie sich mit Ihren Gesprächspartnern befinden, ob Sie die passende Handlungsmöglichkeit wählen und ob Ihre Gegenüber in Ihrem Sinne mitspielen möchten.
Es sind die folgenden DREI GRUNSITUATIONEN, in welchen sich ZWEI FRAGEN stellen – immer konkret auf ein Anliegen bezogen:
Welche Art von Beziehung zu meinem Gesprächspartner herrscht in diesem Moment? Und: Welche Möglichkeiten stehen mir jetzt generell zur Verfügung?
1 Ich darf, Du musst (wenn ich will)
Ich habe ein Anrecht auf Erfüllung meines konkreten Anliegens
Möglich: Forderungen durchsetzen (oder auch darauf verzichten).
Freundlich, versteht sich.
Beispiel: Reklamation im Garantiezeitraum
2 Ich und Du dürfen (wenn wir wollen)
Beide Parteien haben die gleichen Freiheiten und Rechte in der konkreten Sache
Möglich: Diplomatie und Argumentation.
Beispiel: Wochenendgestaltung: Sie wollen wandern, die Kinder wollen schwimmen.
3. Du darfst (wenn du willst)
Der andere hat die Freiheit, mein Anliegen zu erfüllen oder auch nicht.
Möglich: Um Sympathie werben, Vorzüge hervorheben, an Werte und Sinn appellieren
Beispiel: Sie bitten Ihren Chef Ihnen ein Sabbatical zu genehmigen.

Egal, in welcher dieser drei Situationen
Sie sich befinden: Seien Sie freundlich zu sich selbst und anderen! Das heißt:
Sorgen Sie stets dafür, dass grundsätzliche Rechte respektiert werden! Denken Sie daran: Jeder sprachlich-soziale Übertritt verschiebt die Grenzen zu Ihren Ungunsten, möglicherweise auch dauerhaft. Ahnden Sie Übergriffe deshalb sofort und in angemessenem Ton! Genauso wichtig aber: Achten Sie darauf, selbst nicht übergriffig zu werden und behandeln Sie Ihren (Gesprächs-) Partner fair!
So erarbeiten Sie sich nicht nur generell einen respektvollen Umgang. Ganz nebenbei – und so übertrieben ist das gar nicht – verteidigen Sie so auch tagtäglich unsere gemeinsamen freiheitlichen Werte.
Literatur& Links
- Hinsch, Rüdiger & Wittmann, Simone: Soziale Kompetenz kann man lernen.
- Johner, Philipp: Freundschaft: Was es für ein erfülltes Leben braucht.
- Wiki-Eintrag: Französischen Revolution
- Wiki-Eintrag: Schafkopf
Been left out again? Once again not getting what you wanted? How do you get your teammates, your superiors, your peers to treat you well? How do you get where you want to go? Ever tried being radically friendly?
One of the most important beliefs of our society is
… that all people have the same rights: Liberty, Equality, Fraternity! In everyday life, however, one often wonders where these values have gone: Constraints, hierarchies and enforced interests wherever you look.
„But I can’t…“
This widespread perception often becomes evident in training sessions when participants say things like, “ I can‘ t ignore a call from my boss on weekends, can I?“ Or, “ After all, I can’t tell my colleague that his tone is rude.“ Or, “ I can’t tell my boss that I can’t take on more project work, can I?“
Why do we think this way?
Why can’t we just express our concerns? After all, our basic belief is that we have the right to do so. So what’s to stop us from ignoring business phone calls on the weekend or saying legitimate things to our superiors and colleagues?
The reason for this lies in an often unconscious (!) submissive attitude, which derives from a misinterpretation of hierarchical structures and a weakness in our social skills.
Be revolutionary: Be a friend!
From a psychological and sociological perspective, this is easy to understand. Isn’t one of the prevailing social patterns in this country that credit goes to those who do what they are told?
This pattern finds expression in the demand to be „polite.“ At court, the birthright ruler (superior) ruled by giving orders to his vassals ( subordinates). The relationship was simply: „polite“.

The enlightened modern society
… of course opens up a different path for us, which is expressed in „friendly“ interaction: friends respectfully meet each other „at eye level.“ Friends trust each other, ask for and give each other help, but do not take this unduly. They take each other as they are and sometimes give each other a talking to if they have to.
In short, they treat each other as equals. But how can friendly interaction in this sense function in hierarchical organizations?

Communication is unaware of hierarchies
The purpose of hierarchies is to define decision-making powers and thus to speed up processes: Who is to be informed in certain cases, who bears responsibility for what, and above all: Who decides what? On the question of „how we do it“, the hierarchical definition has no influence whatsoever. At least not from a systemic point of view.
In this respect, hierarchies are like support hotlines: Here it is clear which line you call in certain cases and what the contact person there can and is permitted to do for you – you may have to go to the supervisor in case of escalation.
The telephone line itself, i.e. the type of communication, only connects you as a neutral medium. And you and your conversation partners can use this equally.
Whether that is in a calm or aggressive tone
… whether respectful or unfriendly, each person in the conversation decides for him or herself. Regardless of the matter, decision-making authority, or status, both are linguistically (and socially) equal.
Of course, we still often experience that one tries to place himself above the other. In order to achieve their goals, people are prepared to breach rules in an inventive way: Sometimes they flatter, sometimes they intimidate.
Note:
It is not a question of whether a concern is considered, but merely whether you are generally allowed to express it. The answer is: Yeah, sure!
The best way to do it is with a friendly attitude. Because that will increase your chances of succeeding with your request.

It’s not what you say, but how you say it? Sometimes.
Unfortunately, however, it is not a guarantee. Rather, the decisive factor for your success is the fundamental constellation in which you find yourself with your conversation partners, whether you choose the appropriate course of action, and whether your counterparts want to play along in your favor.
There are the following THREE BASIC SITUATIONS, in which two QUESTIONS arise – always related concretely to a specific concern:
What kind of relationship with my dialogue partner prevails at this moment? And: What options are available to me now in general?
1 I may, you must (if I want).
I have a right to fulfillment of my specific request.
Possible: Enforce demands (or even waive them).
Friendly, of course.
Example: Complaint in the warranty period
2 I and you may (if we want).
Both parties have the same level of liberties and rights in the specific matter.
Possible: Diplomacy and argumentation.
Example: Weekend arrangements: You want to hike, the kids want to swim.
3. You may (if you want).
The other person has the choice to do what I ask, or not.
Possible: Solicit sympathy, emphasize preferences, appeal to values and meaning.
Example: You ask your boss to approve you for a sabbatical.

No matter which of these three situations
.
you find yourself in:Be kind to yourself and others! That is:
Always make sure that basic rights are respected! Remember: Every linguistic-social tresspass shifts the boundaries to your disadvantage, possibly permanently. Therefore, immediately sanction assaults in an appropriate tone! Just as importantly however: Make sure not to get offensive yourself and treat your (conversation) partner fairly!
.
This way, you not only generally develop a respectful approach. Quite incidentally – and this is not exaggerated at all – you also defend our common liberal values on a daily basis.
Literature& Links
- Hinsch, Rüdiger & Wittmann, Simone: Soziale Kompetenz kann man lernen.
- Johner, Philipp: Freundschaft: Was es für ein erfülltes Leben braucht.
- Wiki-Eintrag: French Revolution

Warum denken wir so?