28. April 2021

Organisatorischer Stress ist geschäftsschädigend. Und Körperverletzung.Organizational Stress Is Harmful to Business. And It Is a Physical Assault.


Wer absichtlich oder unbewusst zulässt, dass einzelne MitarbeiterInnen, Teams, Abteilungen oder gar die gesamte Unternehmung gestresst sind, geht ein großes Geschäftsrisiko ein. Außerdem dürfte er nah dran sein, Körperverletzung zu begehen.

Stress ist gut.

Stress lässt uns nämlich aus dem Stand schnell, fokussiert und leistungsfähig reagieren und schwierige Situationen meistern. Oft wachsen wir dabei über uns selbst hinaus. Die Vorzüge von Stress liegen also auf der Hand.

Und sie sind verführerisch! Wer möchte in den heutigen Zeiten, wo es doch so sehr um Optimierung, Effizienz und Wettbewerb geht, nicht stets maximal gut sein? Und welcher Chef träumt nicht von solchen MitarbeiterInnen und Teams? Nichts einfacher also als das: Stress!

Let’s stress!

Es finden sich jede Menge geeigneter Maßnahmen, um einzelne Menschen, Gruppen oder auch die ganze Firma verlässlich und dauerhaft unter Druck zu setzen, zu (über)fordern und damit höchstleistungsfähig zu machen. Und aufgrund des stressbedingten Tunnelblicks auch manipulierbarer. Beispiele gefällig?

  • Ein Projekt jagt das nächste, mit entsprechend knappen oder utopischen Terminen.
  • Teams sind dauerhaft unterbesetzt.
  • Fehler werden öffentlich oder subtil angeprangert.
  • Die individuellen oder Team-Kompetenzen werden versteckt oder direkt angezweifelt („Organisieren Sie dem mal ein Coaching, damit er wieder klarkommt mit seinem Zeitmanagement.“)
  • Permanent wird auf die schwierige wirtschaftliche Lage und die damit verbundenen Zwänge verwiesen – auch dem Zwang, noch mehr rauszuholen.
  • Verdeckt oder unverhohlen offen wird mit Jobverlust gedroht („Wer nicht will oder kann, darf gehen!“).
  • Generell wird der Workload hochgehalten und strukturelle Probleme ostentativ ignoriert oder auf einzelne MitarbeiterInnen oder Teams abgewälzt: Überstunden? Das Problem des einzelnen Mitarbeiters. („Da müssen Sie schon selbst sehen, wie Sie das hinbekommen!“)
  • Und manchmal – ja auch das – wird gemobbt oder zum Mobbing angestiftet, um unliebsame Mitarbeiter loszuwerden („Sorgen Sie halt dafür, dass es ihr bei uns unangenehm wird!“).

„Als Karōshi (jap. 過労死, Tod durch Überarbeiten) bezeichnet man in Japan einen plötzlichen berufsbezogenen Tod. Todesursache ist meist ein durch Stress ausgelöster Herzinfarkt oder Schlaganfall. Umstritten ist, ob Suizide, die auf arbeitsbedingte psychische Erkrankungen zurückzuführen sind (過労自殺 Karōjisatsu) unter die Definition fallen.“ (Wikipedia „Karoshi“)


Wo es auch nur teilweise…

… so zugeht, sehen die berichteten Ergebnisse über eine gewisse Zeit sehr wahrscheinlich tatsächlich gut aus. Genauso wahrscheinlich ist allerdings, dass der vermeintliche Erfolg mit zweifelhaften Mitteln erkauft ist und sich einem jähen Ende nähert. Auch wenn dies oft mit kostspieligen Maßnahmen herausgezögert wird – was das unprofessionelle Vorgehen freilich auf die Spitze treibt.

Denn die Leistungs-Hochphase ist eben nur EIN Teil des Stressmusters.

Der ANDERE wichtige Teil ist, dass Menschen unbedingt Ruhephasen brauchen. Wie sonst sollen sie jene Energie wieder aufbauen, die sie gerade verwendet, aufgebraucht haben? Wie und wann sollen sie sonst kreativ sein und gute, innovative Geschäftsideen entwickeln? Was hier für einzelne Menschen gilt, gilt auch für Teams.



Von Powerteams lernen

Aus der Positiven und der Motivations-Psychologie, von Sportlern und generell von erfolgreichen Teams wissen wir: Flow, gute Trainings- und Wettkampfergebnisse und Erfolg erzielen diejenigen auf längere Sicht, die den Wechsel von An- und Entspannung und Regeneration beherrschen.

Wem im Management diese Erkenntnis fehlt oder – schlimmer noch – wer sie absichtlich missachtet, steuert unweigerlich auf das große Leistungsloch und das große Scheitern zu:

  • Hohe Krankenstände
  • Abwanderung von Fachkräften
  • schlechtes Geschäftsklima mit vielen unproduktiven Konflikten
  • demoralisierte und demotivierte MitarbeiterInnen
  • schlechtere Produkte
  • unzufriedene Kunden
  • und und und…

Und das alles: Auf lange Sicht! Denn insgesamt wird eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, die – wenn überhaupt – nur mit sehr großem Aufwand gestoppt und positiv gewendet werden kann.


ManagerInnen und MitarbeiterInnen, die bewusst oder unbewusst den Stresspegel hochhalten, sind deshalb ein ERHEBLICHE, GRUNDSÄTZLICHES GESCHÄFTSRISIKO. Sie handeln UNPROFESSIONELL und in vielerlei Weise VERANTWORTUNGSLOS.


In heutigen Zeiten von Disruption, allgemein sinkender Produktivität, des harten Wettbewerbs und des Fachkräftemangels und der Beschäftigungskrise dürfte ihr Wirken besonders verheerend sein. Zudem gefährden sie die Gesundheit der Menschen in ihrem Unternehmen und schaden damit der Allgemeinheit.


Denn Stress…

… ist nicht nur UNANGENEHM für alle Beteiligten. Und – ohne Übertreibung – manchmal lebensbedrohlich. Er zieht meistens längere, gravierende gesundheitliche Folgen nach sich, die von den Solidarsystemen unserer Gesellschaft getragen werden.

So gesehen kann man SEHR WOHL VON KÖRPERVERLETZUNG, mindestens aber von UNSOZIALEM VERHALTEN sprechen, wenn langanhaltender organisatorischer, struktureller Stress gefördert oder auch nur geduldet wird.


Aus gutem Grund…

…ist Körperverletzung durch das Strafgesetz verboten und die körperliche und psychische Unversertheit auch durch das Arbeitsschutzgesetz garantiert.


„Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ (§ 223 StGB)


Es gibt also viele gute wirtschaftliche, gesundheitliche, rechtliche und soziale Gründe, vorsätzliche oder fahrlässige organisatorische Stresspraktiken zu unterlassen, zu unterbinden und auch konsequent zu ahnden. Wir sollten das in unserem ureigensten Interesse tun. Als Inhaber, Vorgesetzte, MitarbeiterInnen, Kolleginnen, Kunden, BürgerInnen, schlicht als Menschen, die möglichst langfristig gesund und gut von der gemeinsamen Zusammenarbeit leben wollen und dies auch müssen.


Man stelle sich bloß vor, wenn uns dies auch noch motiviert, locker und mit Spaß gelänge!



Was mir sonst noch dazu einfällt


 

 


As professionals, we shouldn’t accept stress in any form. Because it is close to physical violence. And because it is a major business risk.


Stress is good.

It allows us to react quickly, with focus and efficiency, and to master difficult situations. We often outgrow ourselves in the process. So the benefits of stress are obvious.

And, ooh, they’re tempting! After all, who wouldn’t want to be consistently at their best in today’s world, where so much is about optimization, efficiency, and competition? And what boss doesn’t dream of such employees and teams?

So this is very simple: Stress!


Let’s Stress!

There are a lot of suitable measures to reliably and permanently put individuals, groups, or the entire company under pressure. To permanently (over)demand. To make people highly efficient — and because of the stress-related tunnel vision also more manipulable. Here are a few ideas:

  • One project after another, with tight or utopian deadlines.
  • Keep teams permanently understaffed.
  • Denounce pitfalls publicly or subtly (“Get a coach to help you get back on track”).
  • Permanently point out the difficult economic situation and the associated constraints.
  • Do not forget to always mention the compulsion to get more out of everything.
  • Threaten covertly or blatantly openly with job loss (“Whoever is too weak or doesn’t want to cooperate, may leave!”).
  • Generally, keep the workload high and ostentatiously ignore structural problems.
  • Shift them onto individual employees or teams.
  • Overtime? The employee’s problem. (“You’ll have to see for yourself how you manage that!”)
  • And sometimes — yes, even that: bullying or inciting bullying to get rid of unpleasant employees (“Just make sure that she’s uncomfortable with us!”).

„Karōshi“ (Jap. 過労死, death from overwork) is the term used in Japan to describe a sudden work-related death. The cause of death is usually a heart attack or stroke triggered by stress. It is disputed whether suicides resulting from work-related mental illness (過労自殺 Karōjisatsu) fall under the definition.“ (Wikipedia „Karoshi“)


Whenever and wherever…

…these things happen, the reported results look good over a certain time. However, these results are bought with dubious means. And success is nearing an abrupt end, although it often is delayed with costly measures, pushing the unprofessional approach to the extreme.

Because: Peak phases of performance are just one part of the stress pattern.

The other important part is: People necessarily need periods of rest. How else can they rebuild the energy they have just used up? How and when else should they be creative and develop good, innovative business ideas? This applies to individuals. It applies to entire teams, too.


Learning From Power Teams

We know from positive and motivational psychology, from professional sports, and generally from successful teams: Those who have mastered the alternation of tension, relaxation and regeneration achieve flow, good results, and success in the long run.

Managers who lack this insight or — worse — who deliberately ignore it, inevitably head for performance gaps and failures:

  • High sickness rates
  • brain drain
  • bad working climate with many unproductive conflicts
  • demoralized and demotivated employees
  • worse products
  • dissatisfied customers…

And all this for a long time! Because a downward spiral is set in motion — only to be stopped and turned around with huge effort — if at all.


This is why managers and employees who consciously or unconsciously allow stress are considerable, fundamental business risks. They act unprofessionally and irresponsibly.


In today’s times of disruption, generally declining productivity, fierce competition, and a lack of skilled workers, their actions are particularly devastating. On top of all this: They are endangering people’s health and harming the entire company. And the public.


The damage…

…is vast because stress is not only somehow unpleasant (or — without exaggeration — sometimes life-threatening). It also means long periods of absence together with high health costs over a long time. These are covered by everyone. Also by society. Also by society.

If long-lasting organizational, structural stress is encouraged or even tolerated, it is quite justified to speak of bodily injury, or at least of anti-social behavior.

For good reason bodily injury is forbidden and physical and psychological integrity is guaranteed by law.


It shouldn’t be the law

though, urging us to refrain from, prevent, and also punish consistently deliberate or negligent organizational stress practices. It should be the overwhelmingly good health and economic reasons. It’s in our own best interests. As owners, managers, employees, colleagues, customers, citizens, simply as people who want to and must live as long as possible in good health and well from working together.


Just imagine working without stress. Motivated. Relaxed. Joyful. The possibilities we’d had!