„Ist das Kunst oder kann das weg?“
Neulich besuchten meine Familie und ich nach langem wieder einmal eines der vielen tollen Münchner Museen. In heutigen Corona-Zeiten war das eine sehr schöne Abwechslung. Urlaub für den Kopf sozusagen.
Als ich durch die Ausstellungsräume des Lenbach-Hauses wanderte, erinnerte ich mich an die Zeit, als ich Kunst- und Literaturgeschichte studiert hatte. Und auch daran, wie viel Spaß mir das gemacht hat.
Lang ist’s her, dachte ich ein bisschen wehmütig. Und auch ein bisschen erschrocken. Denn mein bisheriger beruflicher Weg hat mich seither weit weg von Kunst und Literatur geführt. Und von allen Fragen, die mit ihr zusammenhängen.
(Sogar soweit, dass ich gelegentlich gefragt werde, wo ich BWL studiert habe. Schock! Ich habe doch etwas Richtiges studiert!)
Besonders hatte mich an der Uni die Frage interessiert, was Kunst zu Kunst macht. Was macht ein Kunstwerk zu einem Kunstwerk? Was macht einen Künstler (resp. Künstlerin) zu einem Künstler (resp. Künstlerin)? Und auch: Was macht Kunst gut und erfolgreich?

Auf diese Fragen gibt es natürlich viele Antworten. Hier, welchen Reim ich mir aus dem vielen mache:
1. Kunst wird von Profis gemacht. Talent und Ideen reichen selten.
Für Kunst braucht es den Willen, das eigene Talent auszubauen und seine/ihre Ideen umzusetzen. Kunst ist ein Handwerk (ja, auch heute noch). Wer ernsthaft Kunst betreibt, akzeptiert dies und entscheidet sich bewusst dafür, Künstler bzw. Künstlerin zu sein. Mit allem, was dazu gehört. Heißt auch: Das Handwerkszeug und die Handgriffe sind zu lernen, ständig anzuwenden, zu verfeinern und zu verbessern.
2. Kunst ist unsicher.
Künstler haben auszuhalten, dass sich ihr Einsatz vielleicht nicht so auszahlt, wie sie sich das vorstellen und wünschen. Heißt: Künstler müssen damit leben, psychologisch und meist auch wirtschaftlich unsicher zu leben. Anders als in allen anderen Lebensbereichen (z.B. Politik, Wirtschaft) können Künstler nämlich nicht blenden oder sich durchwurschteln. Kunst ist nämlich im Unterschied dazu IMMER ehrlich, authentisch und echt.
Wenn sie das nicht ist, ist sie minderwertig. Denn:
3. Kunst geht es um Veränderung.
Kunst ist IMMER motiviert, will IMMER wirksam sein. Das Ziel ist IMMER, eine Veränderung zu bewirken. Auf Wichtiges hinweisen. Zum Denken und Reflektieren anregen. Kunst holt die Betrachter aus ihren gewohnten mentalen und emotionalen Routinen – positiv oder negativ, irritierend oder verstärkend. (Nie aber nur bestätigend. Solche „Kunst“ ist meistens Propaganda.)
4. Kunst geht nur mit Publikum. Und mit wirksamen Kontext.
Wenn einziges Ziel von Kunst ist, einen Unterschied zu machen, kann Kunst nur dann wirken, wenn sie ein Publikum im richtigen Setting findet. Kunst muss also im richtigen Kontext sichtbar sein. Kein Publikum, kein Kontext, keine Wirkung, keine Kunst.
5. Das Publikum entscheidet (mit).
Viel hängt von der Haltung des Künstlers/der Künstlerin zu seinem Wirken ab. Denn wenn Künstler nicht selbst an ihre Kunst glauben, wieso sollten es andere tun? Allerdings kommt es auch stark darauf an, was die Menschen sagen, die die Kunst, das Kunstwerk, die Literatur und den Künstler oder die Autorin selbst betrachten. Motivation, Kunst und Können können noch so formvollendet sein, am Ende entscheiden die einzelnen Betrachter darüber, ob sie das Kunstwerk als solches (an-) erkennen eben nicht.
Das war es, was mir an diesem schönen Museums-Tag durch den Kopf ging. Und dann war ich wieder ein bisschen mit mir und meinen Weg versöhnt.
Denn so gesehen habe ich meinen damaligen Weg gar nicht verlassen. Ich bewege mich ja doch noch im Kunst-Metier.
Denn kreisen meine Klienten und Auftraggeber, meine Teams und Unternehmen, mit denen ich arbeite, nicht um ganz ähnliche Fragen?
- Wie können wir wirksam, erfolgreich sein?
- Was braucht es dazu?
- Was ist zu tun, damit unsere Produkten und Services zum Kunden finden?
- In welchem Umfeld arbeiten wir?
- Wer oder was entscheiden über unseren Erfolg?
- Wie können wir das beeinflussen?
Im Entwurf, da zeigt sich das Talent, in der Ausführung die Kunst.
Marie von Eber-Eschenbach
Was mir sonsts noch einfällt
„Is this Art or Can We Bin It ?“
The other day, my wife, my kids and I visited one of Munich’s many great museums once again. Its been a long time since our last visit. In today’s Corona times, it really was a nice change of routine. Holiday for the head, so to speak.
As I wandered through the exhibition rooms of the Lenbach Haus, I remembered the time when I had studied history of art and literature. And also how much fun I had had doing that.
It’s been a long time, I thought a little melancholy. And also a little shocked. Because since then my professional path has taken me so far away from art and literature. And all the questions connected with it.
(Even to the extent that I am occasionally asked where I studied business administration. Shock! I did study something real after all!)
At university, I was particularly interested in the question of what makes art art. What makes a work of art a work of art? What makes an artist an artist? And also: What makes art good and successful?

Of course, there are many answers to these questions. Here’s what stuck with me:
1. Art Is Made by Professionals. Talent and Ideas Are Rarely Enough.
Art requires the will to develop one’s talent and to put his/her ideas into execution. Art is a craft (yes, even today). Those who seriously pursue art accept this and deliberately decide to be artists. With everything that goes with it. The tools of the trade and the techniques have to be learned, constantly applied, refined and improved.
2. Art Is Uncertain.
Artists have to live with the fact that their efforts may not pay off in the way they imagine and wish. That means: artists have to live with being psychologically and economically insecure. Unlike all other areas of life (e.g. politics, economics), one cannot dazzle or muddle through. Art, in contrast, is ALWAYS authentic and genuine. (If it is not, it is low-quality).
3. Art Is About Change.
Art is ALWAYS motivated, ALWAYS striving to be effective. The goal is ALWAYS to cause a change. To point out what is important. To stimulate thought and reflection. Art takes viewers out of their usual mental and emotional routines – positively or negatively, irritatingly or reinforcingly. (Confirming „art“ mostly is propaganda.)
4. Art only Works with an Audience. It needs Context.
If the only aim of art is to make a difference, art can only work if it finds an audience. Art must therefore be visible within a certain contextual frame. No audience, no context, no impact, no art.
5. The audience (also) decides.
Much depends on the attitude of the artist to his/her work. After all, if artists do not believe in their art themselves, why should anyone else? However, what people say about the art, the artwork, the literature and the artist or writer themselves also matter a lot. Motivation, art and skill can be as perfect as they may be, in the end, it is the individual viewers who decide whether or not they recognise the work as a work of art.
That’s what was on my mind on that beautiful day in the museum. And then I was a little relieved.
Because from that perspective, I haven’t left my path at all. I’m still in the art business.
Because my clients and customers, my teams and the companies I work with, deal with very similar questions!
- How can we be effective, successful?
- What does it take?
- What needs to be done so that our products and services (our art) can find their way to the customer, to the audience and make a difference?
- In what context do we work?
- Who or what determines our success?
- How can we influence this?
Design shows talent, execution the art.
Every day I work with artists. Nice!
What Else Comes to My Mind