Donnerstag, der 22. April 2021

In vier Schritten Wissen gut vermitteln – Ein Mini-Train-the-Trainer


“Du kennst dich doch da gut aus. Kannst du das den anderen nicht mal zeigen?” Kommen auch Sie manchmal auf diese Art dazu, Ihre KollegInnen zu briefen? Dann sind Sie in guter Gesellschaft: Die meisten deutschen Unternehmen bauen auf diese Art von Wissensvermittlung. Leider aber fehlen oft die Methoden, Wissen gut zu vermitteln. Deshalb hier ein Mini-Train-the-Trainer.

Wer jemals einen Workshop oder eine Schulung vorbereitet und gehalten hat, weiß: Wissen an die Frau oder den Mann zu bringen kann ganz schön schwer sein. Wie lassen sich die vielen Inhalte nur am besten vermitteln? Wie schaffe ich es, alle Teilnehmer- und ZuhörerInnen ins Boot zu holen?

Wenn es darum geht, Wissen und Informationen zu vermitteln, bietet die Methode 4MAT® eine große Hilfe. Mit ihr lassen sich Inhalt und Struktur eines Vortrags, eines Workshops oder auch einer Präsentation auf jedes Publikum gut anpassen. Das 4MAT®-Trainingsdesign ist nachvollziehbar, eingängig, leicht zu lernen und nicht nur für Profis bestens geeignet, sondern auch für “Gelegenheits-Trainer” (/1/).


Lerntypen bzw. -stile

Grundsätzlich geht die Methode davon aus, dass es vier verschiedene Lerntypen bzw. –stile existieren. Diese sind ALLE in JEDEM Menschen angelegt, allerdings unterschiedlich stark vertreten. Menschen haben also eindeutige Vorlieben:

  • Why: Menschen, die hauptsächlich mit diesem Lernmuster ausgestattet sind, stellen beim Lernen die Frage, warum sie sich mit diesem Thema befassen sollen. Nur wenn sie darauf eine Antwort bekommen, ist das Thema für relevant und sie sind motiviert zu lernen. Falls nicht, führt das im schlimmsten Fall dazu, dass sie die Informationsaufnahme komplett verweigern.
  • What: What-Lerntypen sind sehr an der GESAMTEN Theorie interessiert. Je universeller, je mehr Details, desto besser! Sie brauchen möglichst viele, genaue Informationen und Hintergrundinformationen. Andernfalls sind sie schnell gelangweilt und schalten ab.
  • How-to: Menschen mit How-To-Lernmuster möchten selbst ran. Sie möchten die Dinge ausprobieren. Am besten lernen sie, indem sie Neues selbst tun und so ihre eigenen (Lern-) Erfahrungen machen können.
  • What-if: What-if-Menschen sind die Unternehmer unter den Lernen. Sie denken insofern „unternehmerisch“, indem sie fragen, was sie mit dem Lernstoff anfangen können, was es ihnen bringt und auch, wo ihnen das Neue über den eigentlichen Anwendungszweck hinaus helfen könnte. Sie fragen gerne: “Welchen Zusatznutzen hat das Thema? Wo und wie?” Dabei werden sie kreativ und denken sofort über Anpassungen nach.

Zwar wissen wir oft…

…WER an den Schulungen teilnimmt. Aber es ist nur schwer möglich, vor der Veranstaltung einzuschätzen, WER im Publikum WELCHEN Lernstil bevorzugt. Wüssten wir das, könnten wir leicht entscheiden, ob z.B. ein theoretischer Vortrag richtig für die Gruppe ist oder ein Hands-On-Workshop.

Da alle Menschen aber sowieso IRGENDWIE mit allen vier Lernstilen ausgestattet sind – nur eben mit unterschiedlichen Ausprägungen – ist hilfreich (und auch notwendig), wenn Sie im Zuge der Veranstaltung alle vier Lernstile ansprechen. Die 4MAT®-Methode arbeitet mit einem “LERNZIRKEL“, der die Stile der Reihe nach abschreitet:


1. Why – Motivation (Engage): Warum soll ich mich damit befassen?

Im ersten Schritt geht es darum, die TeilnehmerInnen zu motivieren, sich mit dem Thema zu befassen. Hier sind die Fragen zu beantworten, um was es geht und vor allem (!): Warum das Thema wichtig ist. Für das Publikum/die Organisation/jeden Einzelnen.

Je emotionaler Ihnen die Ansprache gelingt, desto mehr Aufmerksamkeit werden Sie in der Gruppe haben. (Hilfreich und besonders effektiv ist hier die WERTE der Gruppe anzusprechen – sofern Sie sie kennen, natürlich.)



2. What – Information (Share): Um was geht es genau?

Der THEORETISCHE INPUT mit Informationen findet jetzt statt. Ihre inhaltliche Autorität, Ihre „Expertenmeinung“ ist gefragt. Balancieren Sie unbedingt aus, wieviel Information Sie in die Gruppe “kippen”: Bei zu wenig schalten die informationshungrigen What-Typen ab, bei zu vielen Informationen verlieren Sie die praktischen How-To-Typen.


3. What-if – Übungsteil (Practice): Lass mich mal ran!

Lassen Sie nun die Gruppe ausprobieren. Der Spirit sollte jetzt sein: „Jetzt versuchen wir es mal GENAU so, wie es uns der Experte sagt.“ In Seminaren werden an diesem Punkt z.B. Übungen, Gruppenarbeiten oder Diskussionen gemacht. In Computer-Schulungen klicken die Nutzer jetzt durch das Programm. Haben Sie keine Möglichkeit für einen Praxisteil, diskutieren Sie zumindest, wie die Anwendung in der Praxis aussähe.


4. How- to – Transfer (Perform): Wie bringt mich das weiter?

Der letzte Schritt im Lernzirkel ist die Frage: “Was fangen wir mit dem Gelernten in Zukunft an? Wie können wir das Gelernte integrieren?” Das Motto der Gruppe ist jetzt idealerweise: “Und jetzt versuche ich es auf meine/unsere Art und Weise!”

Der Effekt ist einerseits, dass zum Abschluss jede und jeder für sich selbst verinnerlicht, was er oder sie gerade gelernt hat. Zum anderen wird das Gelernte gedanklich in die Zukunft und in die eigenen Abläufe projiziert. Das ist eine Mentaltechnik und sorgt dafür, dass das gerade Gelerntes noch mehr verankert wird.

Wenn Sie in diesen vier Schritten vorgehen, machen wenden Sie gleich mehrere hilfreiche Tricks an: So ist z.B. belegt, dass Lernerfolg nur dann dauerhaft ist, wenn wir eine emotionale Verbindung zum Thema haben und sozusagen auch mit dem Herz dabei sind, wir beim Lernen also für uns einen persönlichen Sinn erkennen. Das wird im Why-Schritt sichergestellt.

Außerdem bedeutet Lernen, dass Verschaltungen gebildet werden, also Synapsen im Gehirn. Einmal angelegt, werden diese Verschaltungen immer besser, je öfter sie benutzt werden. Das stellen Sie sicher, indem Sie die Schritte des Modells folgen. So beschäftigt sich die Gruppe mehrmals und auch noch auf jeweils unterschiedliche Art und Weise mit den Inhalten.

Ursprünglich wurde 4MAT® für die Erwachsenenbildung entwickelt.


Piktogramm: IdeeANWENDBAR…

…ist diese Methodik aber natürlich überall, wo es darum geht, Informationen zu überbringen und (Re-) Aktionen möglichst nachhaltig anzustoßen. Also z.B. in E-Mails, Berichten, Reden, in Sitzungen, Kundengesprächen und Telefonaten.

Im Zentrum stehen die Fragen, die in jeder gelungenen Kommunikation gestellt werden sollten. Und auch beantwortet, nämlich:

  1. Warum ist ein Thema wichtig für den Empfänger?
  2. Um was geht es im Detail?
  3. Welche Praxisrelevanz hat das Thema?


Was mir sonst noch dazu einfällt