Wir leben in Zeiten konstanter Beanspruchung. Für unseren Tagesablauf gilt dasselbe wie für unser Leben: Durchgetaktet von früh bis spät! Im Kindergarten Fremdsprachen, in der Grundschule Berufsorientierung, minderjährig an die Uni, zügig den Abschluss absolvieren – mit Auslandssemester. Einstieg in den Traumjob, die ersten Sporen verdienen, dann richtig Karriere machen. Nebenbei finden wir unser Lebensglück und gründen eine Familie. Alles richtig gemacht?
Alles richtig gemacht?

Ein allgemein gültiges Maximierungsgebot
sorgt dafür, dass alle Lebensbereiche gründlich ökonomisiert sind. „Möglichst viel!“ lautet die (selten hinterfragte) Devise. Folgerichtig treibt uns ein Effizienzdiktat an, stets sämtliche Möglichkeiten abzuwägen, um zum richtigen Zeitpunkt richtig zu entscheiden. Wir recherchieren und analysieren pausenlos, entscheiden und planen unsere Stunden, Tage, Wochen, Monate und sogar Jahre: Nichts dem Zufall überlassen, Fehler ausschließen!
Unser Erfolg gibt uns recht, alles richtig gemacht!
Schließlich sitzen wir am gut bezahlten, verantwortungsvollen Arbeitsplatz. Warum aber sitzen wir dort immer häufiger mit schalem und müdem Gefühl? Brennt uns hier was an? Warum?
Zufrieden im Ziel
Ziele zu erreichen ist ein großartiges Gefühl. Wir hängen uns rein, strengen uns an und wachsen manchmal sogar über uns hinaus. Um in dieser Art Leistung zu bringen, müssen wir natürlich gefordert werden. Am besten gehen wir dabei an die Grenzen unserer Fähigkeiten ohne sie zu überschreiten. Denn so aktivieren wir alle unsere Kräfte ideal, kombinieren sie kreativ und flexibel und setzen sie zielgerichtet ein.
Belohnt werden wir mit dem befriedigenden Gefühl von kontrollierter Selbstwirksamkeit – die Grundlage für dauerhafte Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit.
Das Problem: Beides stellt sich nur unter bestimmten Umständen ein: Erstens braucht es emotionalen (!) Sinn. Und zweitens müssen wir in der Lage sein, Gefühle zu spüren.

Emotionale Sinnhaftigkeit
entsteht stets situativ in einer Mischung aus individuellen Werten, Bedürfnissen und aktuellen Anforderungen.
In aller Regel sind wir uns dessen nicht bewusst.
Wie uns überhaupt die vielen physischen und psychischen „Programme“ meist unbekannt sind, die uns dazu bringen, uns wofür auch immer ins Zeug zu legen.
Sicher ist aber: Es ist nie ein „externer“ oder allgemeingültiger, sondern immer ein spezifischer Motivator, der von uns selbst und unserer Geschichte abhängt und nur für uns Geltung hat.
Wenn wir uns über einen langen Zeitraum anstrengen
senkt das unsere Fähigkeit zum Fühlen und zu Mitgefühl (auch uns selbst gegenüber). Auch hierfür sind die vielen, teilweise archaischen Körperreaktionsmuster verantwortlich, die uns so selten bewusst sind, und auf die wir nur sehr begrenzt Einfluss haben.
Ihr Ziel ist, alle Kräfte auf die anstehende Aufgabe zu konzentrieren. Erst nachdem wir sie bewältigt haben, ist in der folgenden Erholungsphase Freude über den Erfolg oder Trauer über den Misserfolg möglich – und Regeneration.
Wir sind dann müde. Und je nach Erfolg und Sinnhaftigkeit der Aufgabe entsprechend zufrieden.
Alarm!
Folgt ohne Pause eine Beanspruchungsphase auf die andere, befinden wir uns in einem Zustand dauerhafter Anspannung. Sämtliche Körperfunktionen bleiben dann in der konzentrierten Habacht-Stellung.
Buchstäblich und sinnbildlich entwickeln wir dann einen hartnäckigen und fokussierten Tunnelblick, der sich u.a. so äußert: flache Atmung, angespannte Muskeln, Blut in Armen und Beinen (statt z.B. im Gehirn), heruntergesetzte Schmerzempfindlichkeit und verminderte Empathie.
Vor allem wird der Stoffwechsel angepasst
der die Abläufe im Gehirn maßgeblich steuert. Unsere Wahrnehmung und unser Denken verändern sich, u.a. mit dem Effekt, dass wir ältere und bewährte Denk- und Handlungsmuster, die wir mehr oder weniger automatisiert ablaufen lassen können, benutzen.
Mit anderen Worten: Wir sind nicht mehr Herr all unserer Sinne, unsere Möglichkeiten werden enorm beschränkt.
Lange anstrengende Phasen sorgen deshalb nicht nur dafür, dass wir konstant Kräfte verlieren und wir dadurch müder werden. Unser urmenschliches Erbe ist auch, dass wir zwangsläufig an Kreativität, Flexibilität und Selbstkontrolle einbüßen.
Zudem verändert sich unsere Persönlichkeit, weil wir anders fokussieren, denken, fühlen und handeln. Wir sind anfällig für Übersprungshandlungen und Blackouts.
Immer locker bleiben
Dieses Prozedere gilt nicht nur für einzelne Menschen, sondern auch für Teams, Gruppen, Unternehmen und sogar Gesellschaften.
Wer größtmögliche Leistungsfähigkeit, Kompetenz und Zufriedenheit für sich und sein Umfeld dauerhaft herstellen möchte, sorgt deshalb grundsätzlich dafür, dass auf anstrengende Phasen Pausen und entspannende Zeiten folgen.
Es gibt viele praktikable Tipps, um für sich effektive Pausen im Alltag einzuführen und sich so „fit“ zu halten (siehe Literaturhinweise und Anmerkungen).
Besonders wichtig ist aber, seine eigenen Stressmuster kennenzulernen – inklusive geeigneter Maßnahmen, ihnen im Falle des Falles gut zu begegnen.
Für alle, die Teams und Organisationen in guter, leistungsfähiger Verfassung halten möchten oder müssen
bieten sich zudem agile Managementmethoden an. Deren Ziel ist explizit, strukturelle Überforderung zu verhindern und größtmögliche Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit sicherzustellen.
Bei Scrum z.B. konzentrieren sich deshalb alle Maßnahmen darauf, organisatorischen (!) Sinn zu stiften, individuelle und organisatorische Leistungsgrenzen abzufragen und sich darin zu bewegen und durch festgelegte Rhythmen und Zeitfenster für bestimmte Arbeiten einen Wechsel von Anspannung und Regeneration herzustellen.
Zu welchen Maßnahmen Sie sich auch entscheiden, um selbst oder im Team leistungsfähig, zufrieden und gesund zu bleiben, eines werden sei dabei immer tun: Sich selbst und andere beobachten, befragen und neu justieren.
In diesem Sinne: Passen Sie auf sich auf! Dann haben Sie schon (fast) alles richtig gemacht!
Weiterführende Information
- Kabat-Zinn, Jon: Meditation for Optimum Health: How to Use Mindfulness and Breathing to Heal Your Body and Refresh Your Mind
- Kahneman, Daniel: Thinking, Fast and Slow
These are times of constant demand. For our daily routine, the same applies to our life in general: Scheduled from dawn to dusk! Foreign languages in kindergarten, career orientation in elementary school, university for minors, graduating quickly – with a semester abroad. Starting the job of our dreams, earning our first professional honors, then making a career for real. Along the way, we find our dream partner and start a family.
All done right?

A generally applicable principle of maximization ensures, that all areas of life are thoroughly economized. „As much as possible!“ is the (rarely questioned) motto.
Consequently, an efficiency dictate drives us to always weigh all options to decide right at the right time. We research and analyze non-stop, make decisions and plan our hours, days, weeks, months, and even years: leave nothing to chance, rule out mistakes!
Our success proves us right: Everything done right!
After all, we are sitting at the well-paid, responsible workplace. Why, though, do we sit there with a stale and tired feeling more and more often? Are we missing something? What?
Happily reaching the goal
Achieving goals is a great feeling. We dig in, push ourselves hard, and sometimes even outgrow ourselves. Of course, to perform in this way, we need to be challenged. The best way to do this is to push ourselves to the limits of our abilities without exceeding them. Because in this way we activate all our forces ideally, combine them creatively and flexibly and use them purposefully.
We are rewarded with the satisfying feeling of controlled self-efficacy – the basis for lasting performance and satisfaction.
The problem: Both only occur under certain circumstances: first, it requires emotional (!) meaning. And secondly, we need to be able to sense emotions.

Emotional meaningfulness
always arises situationally in a mixture of individual values, needs, and current requirements. In this context, non-material or social motivators often play a more decisive role than existential rationales.
More than anything, however, we are often unaware of this process.
In general, we are mostly unaware of the many physical and psychological „programs“ that drive us to push ourselves.
But it is certain: It is never an „external“ or universal, but always a specific motivator that comes from within ourselves and from our history. And also applies only to us.
When we exert ourselves over a long period of time
we are less able to feel and show compassion – even towards ourselves. Also responsible for this are the many, partly archaic body reaction patterns, which we are also rarely aware of. And which we can only influence to a limited extent.
Their goal is to focus all our energies on the task at hand. Only after we have mastered it, we can be happy about the success or angry about the failure in the following recovery phase. And only then can we regenerate.
Then we are tired. And satisfied accordingly, depending on the success and meaningfulness of the task.
Alarm!
If one stress phase follows the other without a break, we find ourselves in a state of permanent tension.All bodily functions then remain in concentrated tension.
Literally and metaphorically, we then develop a persistent and focused tunnel vision, which manifests itself, among other things, as: shallow breathing, tense muscles, blood in arms and legs (instead of, for example, in the brain), lowered sensitivity to pain, and reduced empathy.
In such situations, we then often say, „Gotta do it!“, „Doesn’t help!“ or „Close your eyes and get through it!“
Most importantly, the metabolism is adjusted
which significantly controls the processes in the brain. Our perception and our thinking change, among other things, with the result that we use older and proven patterns of thought and action, which we can use more or less automatically.
In other words: We are no longer master of all our senses, our possibilities are limited enormously
Long exhausting phases therefore not only ensure that we constantly lose strength and we become more tired as a result. Inevitably, we also lose creativity, flexibility, and self-control.
In addition, our personality changes because we focus, think, feel and act differently. We are prone to overacting and blackouts.
Always stay loose
This procedure applies not only to individuals but also to teams, groups, companies, and even societies.
Whoever wants to establish the greatest possible performance, competence and satisfaction for himself and his environment in the long term, therefore basically ensures that exhausting phases are followed by breaks and relaxing times
There are many practical tips to introduce effective breaks in everyday life and thus keep „fit“ (see literature references).
However, it is especially important to get to know one’s own stress patterns – including appropriate measures to deal with them well if the situation arises.
For anyone who wants or needs to keep teams and organizations in good, high-performing shape
agile organizational approaches could also be useful. After all, their explicit goal is to prevent structural overload and ensure the greatest possible performance capability and satisfaction.
In Scrum, for example, all measures are focused on creating organizational (!) meaning, to query individual and organizational performance limits and to operate within them, and to create an alternation of tension and regeneration through fixed rhythms and time windows for certain work.
Whatever measures you choose to remain efficient, satisfied, and healthy, one thing you will always do: constantly observe, question, and readjust yourself and others.
In this sense: Take care! In this case, you have already done (almost) everything right!
Something to Read?
- Kabat-Zinn, Jon: Meditation for Optimum Health: How to Use Mindfulness and Breathing to Heal Your Body and Refresh Your Mind
- Kahneman, Daniel: Thinking, Fast and Slow
Alarm!